Auftaktveranstaltung war ein Erfolg

Die Moderatoren Mike Fieseler und Christian Pohlmann

Zum Auftakt des 900. Geburtstag der urkundlichen Ersterwähnung am 9. Februar 1120 haben die Adorfer am Samstag 8. Februar die Feierlichkeiten mit einem großartigen, geschichtlichen Streifzug durch die Entwicklung und Entstehung des Dorfes begonnen. An den letzten Tagen vor dem ersten Höhepunkt liefen die Vorbereitungen in der Dansenberghalle auf Hochtouren. Tische und Stühle für ca. 500 Personen wurden gestellt, das Ausschmücken der Halle begann, die Landfrauen übernahmen die Tischdekoration, ein Extrapodest vor der Hauptbühne wurde für die geschichtliche Gesprächsrunde aufgebaut. Die im Schnitt 50 Helfer/innen packten routiniert an und es zeigte sich ein wahrer Gemeinschaftsgeist. Schon Wochen vorher hatten Knappenchor, Männergesangverein, Landfrauen und Landjugend die Gesangsstücke und Volkstänze für den Kommersabend eingeübt. Die Vorsitzenden Mike Fieseler und Christian Pohlmann zeigten sich begeistert darüber, was die Arbeitsgruppe „Kommersabend“ im Vorfeld vorbereitet und geleistet hatte. Die Gruppe um Jan-Christoph Meier war für die Organisation und Durchführung verantwortlich, sowie auch für den Vorverkauf der Karten für die Nachmittagsveranstaltung, die bereits schon lange restlos ausverkauft waren.

„Mister Kommersabend“ Jan-Christoph Meier

Vor der offiziellen Eröffnung durch die Vorsitzenden vom Verein Adorf 1120, Mike Fieseler und Christian Pohlmann, die auch durch das Programm führten, brachte der Spielmanns- und Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr mit zünftiger Marschmusik eine festliche Stimmung in die Halle. Es folgten der Einmarsch der Fahnenträger der Adorfer Vereine, der Knappenchor, in Bergmannsuniform, erfreute zur Eröffnung mit dem Steigerlied. Die Feierlichkeiten am Samstagnachmittag begannen dann mit einem geschichtlichen Streifzug durch 900 Jahre Adorfer Geschichte, von der Zeit vor der Gründung bis zur Neuzeit (Details siehe weiteren Text unten).

Einmarsch der Fahnen und des Knappenchors

Die Themenschwerpunkte lagen auf allgemeiner Geschichte, dargestellt durch Karl Merhof, die Teile Kirche und Schule vorgestellt von Claudia Preising, Landwirtschaft von Wilhelm Pohlmann, Bergbauwesen durch Erhard Rettig und Schützenwesen von Robert Erlemann. Die Moderation der abwechslungsreichen Runde übernahm Jörg Kleine. Auf einer Leinwand auf der Bühne konnte man verschiedene Ansichten und Perspektiven in Bild und Film von und über Adorf erleben, die die Adorfer Filmemacherin Johanna Schlenke von der Firma „blickkult“ erstellt hatte. Manchen Teilnehmer hörte man sagen: „Wir in Adorf wohnen doch wunderschön!“. 

Nach einem gemeinsamen Abendessen macht den Auftakt der Grußworte Ortsvorsteher Bernd Becker, er zeigte sich stolz über das was sein Adorf zum Jubiläum geleistet hat, gekleidet war er im Waldecker Bauernkittel. Er überbrachte Grüße von Mario Adorf, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert und sich nach einem Hinweis über die Orte Adorf erkundigt hatte. Anlässlich des Jubiläums spendete die Gemeinde Diemelsee ein neues Rednerpult für die Halle, vorgestellt von Bürgermeister Volker Becker. Er betonte bei seiner Glückwunschrede den Gemeinschaftsgeist des Dorfes, was den Ort so lebenswert macht.Auch Landrat Dr. Reinhard Kubat gratulierte und hob das Füreinanderstehen hervor. Er wünschte „Glück auf und Gott segne diesen wunderbaren Ort“.

Landrat Dr. Reinhard Kubat

Carl-Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont stellte erfreut die Frage: „Warum seine Ahnen eigentlich ausgerechnet in Adorf kein Schloss gebaut hätten?“ Die SPD-Bundestagsabgeortnete Ester Dilcher und CDU-Landtagsabgeordneter Armin Schwarz überreichten Waldecker Flachgeschenke, Schwarz zeigte sich auch stolz auf seine Großmutter, die in Adorf geboren wurde. Per Post gratulierte der ehemelaige Pfarrer Hammel, der auch nach Jahren außerhalb Adorfs immer noch Kontakt zum Ort hält. Für die Adorfer Vereine gratulierten stellvertretend Claudia Beckmann und Dieter Stöcker. Zwischen den einzelnen Gratulanten führten die Landfrauen und die Landjugend Volkstänze auf, der Knappenchor und der Männergesangverein begeisterten mit verschiedenen Liederbeiträgen. Die Festmusik Lichtenau spielte anschließend zum Tanz auf und der Auftakt des Jubiläums wurde bis in die Morgenstunden gefeiert. In der Den-Ham- Stube wurde durch den Vasbecker Schwimmbadverein die Verpflegung des Abends übernommen.

Geschichtliche Entwicklung in Gesprächsrunde

Die historische Gesprächsrunde mit Moderator Jörg Kleine in der Mitte

Über die Völkerwanderungen, die Ur-Bevölkerung und aus dem Mittelalter berichtete Karl Merhof, der bereits mehrere Bücher zu diesem Thema veröffentlicht hatte, in lockerer Runde. Dabei war die Entwicklung der Erdformation für das Bergbaudorf von großer Bedeutung. Hierzu konnte der Vorsitzende des Knappenvereins, Erhard Rettig, in anschaulicher Weise vom Leben und Arbeiten der Adorfer Kumpel berichten, sowie von der ersten Bergbau Urkunde aus dem Jahr 1273. Das ursprüngliche Schützenwesen war das Thema des Ehrenvorsitzenden der Adorfer Schützengesellschaft, Robert Erlemann, dass er mit großer Begeisterung und Wissen vortrug. Der Marktflecken Adorf hatte ja bereits früh einen Schutzwall ums Dorf, mit 3 Dorftoren. Hier spielte auch die Religionsgeschichte, die stark mit dem Schützenwesen verknüpft war, eine große Rolle. Vorgetragen von Lektorin Claudia Preising, berichtetet sie prägnant über Religion und Judentum im Ort, über die romanische Pfeilerbasilika St. Johannis-Kirche, die im Zuge von Sanierungen viele Überraschungen preisgab, bis zum Schulwesen im Ort, das bereits im 16. Jahrhundert zur Pflicht wurde.

Über Landwirtschaft und Bauerntum konnte Wilhelm Pohlmann in spannender Art beitragen, und spannte den Bogen vom Zehnten an die Obrigkeit bis zur Neuzeit, in der es nur noch wenige Höfe im Ort gibt.

Text: Hans Gerstengarbe / Bilder: Jens Figge